Antworten auf 7 typische Fragen zu Gaming und Glaube.

Björn Schmitz und Daniel Schmidt haben sich hingesetzt, um auf typische, häufig gehörte, kritische Fragen zum Thema Gaming zu antworten. Keine der Antworten erhebt einen Absolutheitsanspruch. Die Antworten sind – so hoffen wir – viel mehr ein solides Fundament für eine anregende Diskussion.

Ach ja, außerdem haben sie noch ein paar Hinweise auf gute Ressourcen und Ansprechpartner unten angehängt!

Darf ein Christ XY?

Bei jeder Frage, die so startet lautet meine Antwort gleich: Wir sind befreit worden, nicht mehr unter dem Gesetz. Deshalb kann Paulus auch sagen, dass uns alles erlaubt. Er macht aber auch zwei wichtige Anmerkungen:

  1. Nicht alles was man tun kann dient zum Guten – was ist das Gute? “Es ist dir gesagt worden, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir erwartet: Nichts anderes als dies: Recht tun, Güte lieben und achtsam mitgehen mit deinem Gott.” (Micha 6,8)
  2. Unser Tun soll uns nicht gefangen nehmen – wozu wären wir sonst befreit worden?

Gaming an sich ist darauf basierend nicht grundsätzlich auszuschließen. Aber ich ermutige dich: Wenn du für dich erkennst, dass Zocken in deinem Leben nicht zum Guten führt, oder dich gefangen nimmt, dann zock doch einfach nicht. Vielleicht ist das für dich generell so, vielleicht betrifft es aber auch, wie bei mir, nur ein paar spezielle Games oder Genres.

Ist das nicht verschwendete Lebenszeit?

An diese Fragen habe ich zwei Nachfragen:

  1. Ist Verschwendung wirklich negativ? Verschwendung bezeichnet den übermäßigen Verbrauch oder die ineffiziente Verwendung von Ressourcen. Wenn ich mir die Welt anschaue, dann komme ich zu der Annahme, dass Gott verschwenderisch handelt. Beispielsweise liebt er alle Menschen gleich, auch wenn diese augenscheinlich böse sind – er lässt die Sonne aufgehen über Gerechten wie Ungerechten – Gott liebt Menschen, auch wenn die Energie der Sonne meiner Meinung nach an manchen Orten wichtiger wäre als an anderen, wo sie eher verschwendet wird. Vielleicht sieht Gott das aber anders – Verschwendung richtet sich nach den gesetzten Rahmenbedingungen: Wenn Gottes Rahmen ist, das jeder Mensch von ihm geliebt sein soll, dann handelt er nicht verschwenderisch. Das bringt mich zu Punkt 2
  2. Wann ist Lebenszeit verschwendet? Diese Frage richtet sich nach den Rahmenbedingungen für Lebenszeit. Was ist der Sinn und der Zweck des Lebens? Ich habe folgende Antworten gefunden: Der Sinn des Lebens ist, sich von Gott lieben zu lassen. Das geht am besten, wenn man sich dazu entscheidet, Anteil an der vollkommenen Gemeinschaft der Liebe haben zu wollen, die der dreieinige Gott ist. Der Zweck des Lebens, also das, wie sich ein Leben dem Sinn entsprechend ausdrückt besteht darin, Gott, andere Menschen und sich selbst zu lieben.

Hindert zocken daran, Sinn und Zweck zu leben? Nein, nicht automatisch. Im Bezug auf die Rahmenbedingungen ist zocken für mich deshalb grundsätzlich nicht verschwendete Lebenszeit. Ich glaube nicht, dass es darum geht, ob man zockt, sondern vielmehr, wie und warum man zockt. Wenn du natürlich die Rahmenbedingungen anders setzt, kann deine Antwort auch anders lauten.

Was machen Videospiele mit meinem Kind?

Wenn man nach Studien zum Thema Gaming sucht fällt schnell auf: Es gibt jede Antwort. Kein Witz – es gibt Studien mit dem Ergebnis, dass Videospiele aggressiv machen und es gibt jene, die zu dem Ergebnis kommen, dass die Gewaltdarstellung in Spielen nicht mit dem aggressivem Verhalten von Jugendlichen zusammenhängt. Was wir hier sehen, ist dass es sehr viel auf die Art der Studie ankommt, wie sie durchgeführt wurde und welche weiteren Einflüsse mit bedacht wurden. Das gilt im Bereich sozialer Wissenschaft übrigens für beinahe jedes Thema. Das große Problem bei unserem Thema ist, dass es Gamer in jedem gesellschaftlichen Milieu und in jeder Altersschicht gibt. Games werden mal für scheinbare Dummheit schuldig gesprochen, während sie gleichzeitig in Altersheimen eingesetzt werden, weil sie nachweisbar dazu beitragen, im Alter fit zu bleiben: Im Kopf, mit dem Körper und auch emotional.

Fakt ist, dass es verschiedene Positionen und Perspektiven dazu gibt, wie Spiele nicht nur uns, sondern damit auch unser Leben und unsere Gesellschaft verändern. Hier sind die drei häufigsten Positionen, die wir identifizieren können:

Optimistisch

Optimisten glauben, dass Games eine wunderbar positive Kraft haben. Sie machen klüger und glücklicher, sie stärken physisch, psychisch und emotional und sie erlauben uns Vorstellungskraft, Emotion und analytische Logik zu verbinden. Dabei beziehen sich Optimisten besonders auf Spiele, die kreatives Denken, kollaboratives Problemlösen und freudige Positivität fördern. Beispielhaft sind Jane McGonigal und Yu Kai Chou zu nennen.

Pessimistisch

Pessimisten behaupten, dass Games der Hauptfaktor für die Krise sind, der sich junge Menschen besonders Männer gegenüber sehen. Das liegt daran, dass Games bspw. Erfolge nur vorgaukeln, ohne wirkliche Verbindung zur echten Welt zu schaffen. Das wiederum soll dazu führen, dass die Spielenden sozial isoliert und emotional verkümmert sind und durch ständige, sich wiederholende, kontextfreie Hyperstimulation desensibilisiert werden. Beispielhaft für solche Aussagen sind Philip Zimbardo und besonders Manfred Spitzer.

Künstlerisch

Künstler meinen, dass Games Kunst sind. Als Kunstwerken haben sie einen offensichtlichen und tiefgründigen Wert, der sich nicht auf etwas anderes reduzieren lässt. Games sind als solche aus dem Leben inspiriert und können etwas über das Leben aussagen. Deshalb müssen wir ihre Auswirkung auf das Gehirn nicht messen, denn ihre Schönheit und Bedeutung ist bereits ihr Selbstzweck. Beispielhaft für diese Haltung sind Eric Zimmerman oder der Podcast Die Spielunke.


Mein Fazit: Obwohl ich mich definitiv dem Optimisten und/oder Künstler zuordnen würde, meine ich, dass wir ein vollständiges Bild brauchen.

„Indem wir die positiven Ambitionen des Optimisten umarmen, die Warnungen des Pessimisten anerkennen und die intrinsische Schönheit von Spielen mit dem kultivierten Geschmack des Künstlers erkunden, können wir ein vollständig[es dreidimensionales Bild darüber erstellen, wie Spiele unser Gehirn verändern und was das für die Zukunft der Menschheit bedeutet.“ – Frank Lantz, 2018

Ich behaupte, viele Aussagen der Pessimisten (wissenschaftlich) entschärfen zu können, aber eben nicht alle. Games sind ein Werkzeug – es kommt darauf an, was wir damit machen.

Hat mein Kind Umgang mit falschen Menschen?

Als Elternteil formuliert die Frage, ob mein Kind mit schlechten Kreisen in Kontakt kommt, eine der größten Sorgen: Wir wollen, dass unsere Kinder sicher sind, gut aufwachsen und nicht auf die schiefe Bahn geraten. Wenn es um Online-Gaming geht, dann kommt dazu, dass sich viele Eltern nicht auskennen.

Grundsätzlich besteht natürlich die Möglichkeit, dass ein Kind dabei an vermeintlich schlechte Menschen gerät, genauso ist es aber der Fall, dass es an viele Menschen gerät die gute Absichten haben. Dieselben Möglichkeiten gibt es in der Schule, auf der Arbeit, in der Bahn, beim Einkaufen und selbst in der Kirche.

Wir können unsere Kinder nicht vor allem schützen, aber wir können ihnen die Werkzeuge mitgeben, sich selbst möglichst sicher zu bewegen: Kinder müssen reflektieren lernen, welche Begegnungen sich wie auswirken und ob sie weiter Anteil daran haben wollen.

Das Internet bietet bessere Optionen als das analoge Leben, unliebsamen Begegnungen aus dem Weg zu gehen: Mit einem Knopfdruck ist ein Kontakt für immer beendet. Gleichzeitig ist es wichtig, dass Kinder wissen: Im Internet sollte ich keine persönlichen Informationen teilen.

Wenn diese zwei Regeln befolgt werden, steht eine wunderbare Welt aus großartigen Freundschaften, ausgelebter Kreativität und epischer Geschichten voll Empathie und großen Fragen offen!

Mein Kind vernachlässigt andere Dinge wie Schule, Freunde und Familie.

Es kommt vor, dass ein Kind das Zocken vor viele andere Dinge des Lebens stellt. So ging es auch mir als Kind.

Doch nicht das Spiel an sich bringt Kinder zur Abhängigkeit, es kann viele Gründe dafür geben, angefangen bei psychischen Erkrankung, über schlechte Beziehungen zu Freunden oder Verwandten bis hin zu fehlenden Erfolgserlebnissen im analogen Leben und Mobbing.

Dabei ist immer zu bedenken, das Spiele nicht gut oder schlecht sind, sie sind ein Werkzeug und diese können gut oder schlecht eingesetzt werden.

Um zu verhindern, dass ein Kind in eine Abhängigkeit gerät sollte man darauf achten, dass man eine gute und gesunde Beziehung zwischen Kind und Eltern pflegt. Kommunizieren Sie offen, investieren Sie in Vertrauen und Wertschätzung und fördern Sie die Mündigkeit ihres Kindes, indem Sie immer wieder Reflexion anstoßen und mit fortschreitendem Alter mehr und mehr Möglichkeiten zur Selbstbestimmung inklusiver dem Tragen der Konsequenzen bieten.


Es gilt dennoch: eine Abhängigkeit in egal welcher Form ist ernst zu nehmen und bedarf professioneller Hilfe. Diese ist beispielsweise bei der Beratungsstelle Return zu finden.

Mein Kind ist angespannt wenn es zockt und reagiert aggressiv.

Je nach Spiel wird das Gehirn einer Menge Stress ausgesetzt (Stress kann durchaus auch positiv sein). Besonders wettkampforientierte Spiele oder intensive Momente in gutem Stroytelling schaffen solche Spielerlebnisse. Hier sind zwei – von vielen Dingen – die in unserem Kopf passieren:

  1. Flow: Wenn wir im flow sind, verlieren wir gewissermaßen unser Zeitgefühl. Das kennt jeder, der schonmal tief in Arbeit oder ein gutes Buch vertieft war. Schon diese Redewendung zeigt, dass wir andere Dinge nicht mehr im Blick haben, weil unser Fokus auf einer einzigen Sache liegt.
  2. Jegliches menschliche Handeln folgt Motivatoren. Ein wichtiger Botenstoff, der mit Motivation zu tun hat, ist Dopamin. Dieser lässt uns Erfolg erwarten. Sind wir mit einer Handlung tatsächlich erfolgreich, dann werden Endorphine ausgeschüttet. Dieser Prozess ist für jegliches Lernen essentiell.

Aus diesen beiden Prozessen lassen sich zwischen Eltern und Kindern oft Konflikte erklären, die im Sinne der Frage oben stehen: Werde ich aus dem Flow gerissen, bin ich für kurze Zeit beinahe orientierungslos. Geschieht dieses Herausreißen durch eine ärgerliche Konfrontation ist mein neuer Kontext für Reaktion durch diese Emotion geprägt. Wenn es dazu noch um wichtige Erfolgserwartung ging, die besonders im Jugendalter bei Jungs für das Erleben von Selbstwirksamkeit wichtig ist, entlädt sich mein Stress nicht auf mein Ziel gerichtet, sondern auf meinen neuen Fokus.

Diese Prozesse lassen sich überall dort beobachten, wo Flow und Erfolgserwartung zu finden sind. Eine gewisse Anspannung ist beim intensiven Fokus auf eine wichtige Situation genauso natürlich wie eine emotionale Reaktion auf den Faktor,der mir meinen Erfolg verdirbt. Wenn du mit deiner besten Freundin fieberst, bist du angespannt  – und wenn dir jemand die Gabel aus der Hand schlägt, als du sie mit deinem Lieblingsessen zum Mund führst, reagierst du emotional. Das ist nicht nur beim Zocken so.

Drei schnelle Tipps: Reflektiert diese Situationen mit etwas Abstand. Achtet darauf, dass Zeitregeln nicht starr sind. Lernt das Interesse eures Kindes kenne und verstehen, um besser das Zusammenleben organisieren zu können.

Wie kann ich denn beim Gaming meinen Glauben leben?

Lassen wir Gaming vorerst beiseite. Hier steht jetzt eine wichtige Frage:

Wie kann ich meinen Glauben leben?


An einer Stelle in der Bibel sagt Jesus, dass wir das Salz der Erde und das Licht der Welt sind. Salz ist dafür verantwortlich, dass etwas besser schmeckt. Licht wird gesehen und durch Licht kann man sehen.


Egal wo ich bin, ob beim Gaming, beim Fußball, in einer Band, bei meiner Pen&Paper-Gruppe, oder sonst wo; überall kann ich mich fragen:


1. Was kann ich tun, damit das Leben meiner Mitmenschen durch mich besser – genauer vielleicht: schöner, angenehmer, freudiger oder friedlicher wird?

2. Was kann ich tun, damit ich als Christ erkannt werde?


Jesus ermutigt uns: “So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.” (Mt. 5,16)


Wenn wir jetzt wieder Gaming mit reinnehmen, dann bleibt die Frage größtenteils gleich, bezieht nur den Kontext mit ein. In meinem Lieblingsspiel CS:GO kann ich beispielsweise für klare Ansagen und gute Stimmung sorgen. Ich kann die Leute ermutigen, ihnen helfen, indem ich Waffen spende oder durch Granaten unterstütze bessere Chancen zu haben. Ich kann sie loben und mich bedanken. Durch diese Art kommen immer Leute darauf, Kontakt zu mir aufzunehmen. Eine kurze Vorstellung während des Wartens auf das nächste Spiel später steht dann auch fest, dass ich Christ bin: “Beruflich mache ich XY und ich engagiere mich in einer Kirche. Naja und ich zocke.” Ganz einfach. “Und du?”.


Wenn du mehr dazu erfahren willst, wie du deinen Glauben beim Gaming leben kannst, dann komm doch einfach in unsere Community und frag nach 😉